In den letzten Monaten hat sich der Aktienmarkt als bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Trotz Inflation, schnellen Zinserhöhungen, Zollstreitigkeiten und geopolitischen Risiken sind die Börsen konstant gestiegen.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Künstliche Intelligenz, die quer durch Branchen neue Investitionen auslöst – von Halbleitern über Versorgerbis hin zu Banken, die Blockchain und Tokenisierung stärker nutzen könnten. Auch die Industrie profitiert, etwa durch den Bau von Rechenzentren und Infrastruktur. Dass wenige große Unternehmen den Markt dominieren, ist dabei nicht ungewöhnlich. Ähnlich war es in früheren Innovationszyklen.
Gleichzeitig ist die Rally eine der „gehasstesten“ seit Jahren: viele Investoren haben im Frühjahr verkauft, aus Angst vor Rezession, und konnten nicht rechtzeitig zurückkehren. Diese verpassten Chancen nähren Skepsis, obwohl Unternehmensgewinne zuletzt stark gestiegen sind und die Bewertungen im historischen Vergleich moderat erscheinen.
Wie soll man als Investor nun reagieren? Diese Frage stelle ich mir regelmäßig selbst und diskutiere sie mit vielen anderen Investoren. Im Prinzip bleibt alles wie es immer war: man muss im Markt investiert sein, timing funktioniert nicht. Natürlich kommen irgendwann Rücksetzter, das ist 100% sicher. Die Frage aber ist wann? Wenn der Markt bis dahin weitere 10% gestiegen ist, dann helfen dem „wartenden Investor“ Rücksetzter von 5% bis 10% auch nicht viel. Und wenn es zum Rücksetzer kommt, ist dieser Investor dann bereit, voll ins Risiko zu gehen und zu investieren? Ich glaube eher nicht. Wahrscheinlich domineren dann wieder Unsicherheit und Angst, Investoren halten sich (weiterhin) zurück und verpassen dann die besten Tage der Erholung.
Was ich mir bei meinen Investments allerdings überlege, ist wie die optimale Vermögensstruktur aktuell aussehen soll. Wie soll ich im Markt investiert sein? Wieviel % gehe ich ins Risiko? Ist meine Allokation bspw. 80% Aktien und 20% sichere Werte, so könnte sich diese, bei subjektiv als (zu) hoch empfundenen Börsenkursen, zugunsten der sicheren Werte verändern. Man hält also einfach etwas mehr „dry powder“ um bei Rücksetzern nachzukaufen. Dies kostet zwischenzeitlich aber Rendite…
Egal wie man es dreht und wendet: alles ist möglich, keiner weiss wie es weitergeht. Wie immer also. Ich empfehle, die einmal festgelegte Vermögensstruktur nicht zu verändern. Diese spiegelt die individuelle Situation, Risikopräferenz und Anlageziele des Investors wider. Daran sollte nichts verändert werden, es sei denn, es gab schwerwiegende Veränderungen im Leben des Investors.
Alles, was aktuell durch die Presse geht und online zu lesen ist, ist wie immer ein niemals endendes Schauspiel. Enjoy it! Verschiedenste Marktteilnehmer müssen das Spiel am laufenhalten, wollen dass Investoren aktiv sind, kaufen und verkaufen. Gier und Angst werden wie immer bedient. Als intelligenter Investor sollte man einfach zuschauen und seiner Strategie treu bleiben. Wir haben spannende Jahre vor uns und werden sehen, was KI am Ende liefert.

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