Unruhe am Anleihemarkt – wie soll ich mich positionieren?

Hot air balloons and blue sky

Globale Anleiherenditen steigen – langlaufende Staatspapiere in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Japan erreichen Mehrjahreshochs, der Goldpreis legt weiterhin zu und das Vertrauen in die Fiskalpolitik ist auf Talfahrt.

Parallel dazu liefern schwache Arbeitsmarktdaten in den USA (der Bestand offener Stellen fällt auf ein 10‑Monats‑Tief) eine neue Argumentationsbasis für Zinssenkungen. Anleiherenditen für langlaufende US Staatsanleihen erreichen kurzzeitig 5%, ziehen sich dann aber wieder zurück, Tech‑Werte wie Alphabet boomen und Gold bleibt gefragter Zufluchtsort. 

Diese Entwicklungen spiegeln die aktuelle Nervosität der Investoren wider. Im Zentrum steht hier die Sorge um die hohe Verschuldungsquote der USA, Japans und einiger europäischer Länder (insbesondere Frankreichs).

Was bedeutet das für uns Anleger und wie sollen wir uns positionieren? 

Viele Privatanleger kennen Aktien, ETFs und Immobilien – aber der Anleihemarkt bleibt für viele ein blinder Fleck. Dabei sind Anleihen das Fundament der globalen Kapitalmärkte. Sie beeinflussen nicht nur die Finanzierung von Staaten und Unternehmen, sondern auch die Bewertungen an den Aktienmärkten und letztlich die Stabilität des gesamten Finanzsystems. 

Wer verstehen will, wohin sich die Märkte bewegen, kommt an einem Blick auf die Anleiherenditen nicht vorbei.

Derzeit sendet genau dieser Markt kritische Signale: in Europa steigen die Renditen langlaufender Staatsanleihen spürbar – besonders in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen liegt mit 3,41% auf dem höchsten Niveau seit 2011. In den USA sind es 4.91% und in Großbritannien sogar über 5,5%. 

Diese Entwicklung signalisiert: Das Vertrauen in die langfristige Haushaltsdisziplin schwindet. Dafür verlangen Investoren Kompensation in Form höherer Zinsen.

Für Aktienmärkte ist das keine Randnotiz. Höhere Anleiherenditen bedeuten, dass festverzinsliche Anlagen wieder zur attraktiven Alternative werden. Das kann zu Mittelabflüssen aus dem Aktienmarkt führen und dort Kursdruck erzeugen, insbesondere bei wachstumsstarken, hoch bewerteten Unternehmen.

Wichtig

Dabei reagieren Anleihen sehr unterschiedlich auf Zinsänderungen: langlaufende Papiere können stark an Wert verlieren, während kurzlaufende Anleihen relativ stabil bleiben. 

Eine Kennzahl, auf die Anleger bei der Auswahl von Anleihen(ETFs) achten sollten, ist die sogenannte „Duration„. Sie gibt die Zinssensitivität der Anleihe an. Eine Duration von 2 bedeutet z.B., dass sich der Wert der Anleihe um 2% verändert, wenn sich der Marktzins um 1% Punkt ändert.

Wer Kapital sicher parken will, findet derzeit in qualitativ hochwertigen, ein- bis zweijährigen Unternehmensanleihen Renditen zwischen 3,5% und 4% – mit überschaubarem Risiko. 

Der Sicherheitsbaustein im Portfolio sollte immer aus sehr kurzfristigen Anleihen(ETFs) bestehen. Meiden Sie langlaufende Titel.


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