Der US-Dollar legt aktuell zu, während die globalen Aktienmärkte eine Pause einlegen – trotz solider Unternehmenszahlen aus den USA.
Im Fokus steht nun erneut die US-Notenbank: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der Fed bereits in der kommenden Woche liegt bei nahezu 100 %, eine weitere im Dezember wird ebenfalls erwartet.
Die wirtschaftliche Lage der USA rechtfertigt solche Schritte eigentlich nicht. Doch ein anderer Faktor rückt zunehmend in den Vordergrund: die Schuldenlast der US-Regierung.
Steigende Zinslast als strukturelles Risiko
Im vergangenen Haushaltsjahr lag das US-Haushaltsdefizit bei 1,8 Billionen Dollar – zum zweiten Mal in Folge, trotz stabiler Konjunktur. Besonders besorgniserregend: Die Nettozinszahlungen auf die Staatsverschuldung überstiegen zuletzt 1 Billion Dollar und damit sogar die Ausgaben für Verteidigung und Heimatschutz.
Selbst moderate Zinssenkungen können diese Entwicklung nur bremsen, nicht umkehren. Die durchschnittlichen Finanzierungskosten für US-Staatsschulden liegen derzeit bei etwa 3,4 %. Je höher der Schuldenberg wächst, desto schwieriger wird es für die Fed, zukünftige Zinserhöhungen durchzusetzen – ohne die Märkte zu verunsichern.
Historische Parallelen – mit wichtigen Unterschieden
Bereits in den 1940er-Jahren hielt die US-Notenbank die Zinsen künstlich niedrig, um die Kriegskosten zu finanzieren – bis zur sogenannten Fed-Treasury Accord im Jahr 1951, der die Unabhängigkeit der Fed wiederherstellte. Auch damals war Inflation die Folge.
Allerdings war die Ausgangslage eine andere: Nach dem Krieg erzielte die US-Regierung Haushaltsüberschüsse (exklusive Schuldendienst), während heute ein dauerhaft strukturelles Defizit vorliegt – ohne äußeren Schock oder Kriegsausgaben. Zudem ist die USA heute der größte Schuldner der Welt, nicht der größte Gläubiger.
Fazit: Niedrige Zinsen könnten zur Pflicht werden
Anleger feiern aktuell die Aussicht auf sinkende Zinsen. Doch ein zukünftiges Umfeld, in dem Zinserhöhungen aus fiskalischen Gründen kaum mehr möglich sind, birgt Risiken – insbesondere für langfristige Anleiheninvestoren und Währungsstabilität.
Eine unabhängige Geldpolitik bleibt deshalb zentral – ist aber in Zukunft möglicherweise schwerer durchsetzbar.

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