Der US-Aktienmarkt erlebt derzeit eine historische Dominanz: Wenige Mega-Tech-Unternehmen wie Nvidia, Apple oder Meta dominieren die Indizes in einem Ausmaß, das es so noch kaum gab. Fast 40 % der Marktkapitalisierung im S&P 500 entfallen auf nur zehn Unternehmen. Das führt zu einer seltsamen Dynamik: Auch wenn hunderte Aktien fallen, kann der Index dennoch steigen – weil die „Schwergewichte“ überproportional einwirken.
Viele Anleger spüren dadurch eine kognitive Dissonanz:
Die Indizes signalisieren Stärke, doch das „Innenleben“ des Marktes zeigt Schwäche. Klassische Marktbreite-Signale (z. B. Anzahl steigender vs. fallender Aktien) verlieren an Aussagekraft.
Ein Rückgang bei Nvidia kann den Gesamtmarkt deutlich bewegen, während hunderte kleine Kursgewinne kaum Gewicht haben. Das ist kein Zeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Crash – wohl aber für ein systemisches Konzentrationsrisiko.
Ein Blick auf die Vergangenheit: Der Nasdaq 100 hat in den letzten zehn Jahren über 500 % zugelegt – vergleichbar mit den Roaring Twenties, Japans Börsenboom in den 80ern oder der Dotcom-Blase.
Doch: Nicht jede Rallye endet im Crash. Die 1950er z. B. brachten ähnlich starke Renditen, ohne dramatischen Absturz.
Wahrscheinlicher als ein „Platzen“ ist aktuell ein Szenario sinkender zukünftiger Renditen – einfach, weil das Wachstumstempo der letzten Jahre kaum haltbar scheint.
Für Anleger bedeutet das: Diversifikation gewinnt wieder an Bedeutung. In den letzten Jahren wurde man „bestraft“, wenn man nicht voll auf Tech gesetzt hat. Doch mit zunehmender Unsicherheit steigt der Wert robuster, breit aufgestellter Portfolios – besonders für Menschen mit kurzem Anlagehorizont oder kurz vor dem Ruhestand.
Die Empfehlung lautet daher: nicht nur auf vergangene Performance schauen, sondern auf Risikotragfähigkeit und Struktur.

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