Warum Inflation gefährlicher ist als eine Rezession

Lange Zeit galt die Rezession als das Schreckensszenario schlechthin: Arbeitsplatzverluste, Unternehmenspleiten, persönliche Tragödien. Doch die letzten Jahre haben unser Verständnis von wirtschaftlichen Risiken grundlegend verändert. 

Heute zeigt sich, dass Inflation mindestens genauso zerstörerisch wirken kann, wenn nicht sogar schlimmer. 

Eine Rezession trifft in erster Linie jene, die direkt vom Arbeitsplatzverlust betroffen sind. Auch wenn das Umfeld leidet, bleiben viele beschäftigt und können sich zumindest stabilisieren. 

Inflation hingegen trifft ausnahmslos jeden. Sie macht das Leben teurer – für Familien, Selbstständige, Unternehmerinnen und Rentner gleichermaßen. Sie frisst die Kaufkraft, zerstört Vertrauen in Geldpolitik und Preise, und zermürbt die Mittelschicht im Alltag.

Viele von uns, die nach den 1970er Jahren aufgewachsen sind, haben nie erlebt, was es bedeutet, in einem Umfeld dauerhaft steigender Preise zu leben. Eine Zeit der Stabilität bei Inflation und Zinsen, hat uns in Sicherheit gewogen. 

Doch mit 2021 war dieser Zustand vorbei. Inflationsraten schnellten in die Höhe, die Notenbanken mussten hektisch reagieren, die Märkte stürzten ab. Und obwohl viele Maßnahmen griffen, blieben die Preise auf hohem Niveau. Die Folgen wirken bis heute nach, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.

Inflation verändert nicht nur unser Konsumverhalten, sie verändert auch unsere Gesellschaft. Sie bringt populistische Politiker hervor, weil sie Wut kanalisiert. Sie spaltet, weil sie überall Frust erzeugt. Anders als eine Rezession, die punktuell und zeitlich begrenzt wirken kann, kriecht die Inflation in alle Lebensbereiche.

Deshalb ist Inflation gefährlicher. Nicht, weil sie sichtbarer wäre, sondern weil sie subtiler und universeller wirkt. Sie untergräbt nicht nur das Portemonnaie, sondern auch das Vertrauen in Stabilität, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. 

Wenn Rezessionen Schmerzen verursachen, dann erzeugt Inflation Unsicherheit. Und Unsicherheit ist das, was Märkte und Menschen am wenigsten verkraften.


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