Der Jahresbeginn ist für viele wie immer ein Anlass, neue Prioritäten zu setzen oder bestehende Haltungen zu überprüfen. Für mich steht in diesem Jahr kein Kurswechsel an, sondern vielmehr die bewusste Bestätigung einer Haltung, die ich bereits seit Längerem vertrete:
Social Media ist ein starkes Werkzeug. Es ermöglicht Austausch, Sichtbarkeit, Reichweite auch für Inhalte, die sonst vielleicht übersehen würden. Ich schätze das und nutze es. Was mir jedoch zunehmend zu denken gibt, ist die Art und Weise, wie Inhalte sichtbar werden.
Daher werde ich mich auch weiterhin nicht an Debatten in sozialen Medien beteiligen.
Ich habe mich dort nie besonders aktiv eingebracht und sehe auch keinen Grund, das zu ändern. Der digitale Raum ist heute in weiten Teilen kein Ort des Austauschs mehr. Viele Diskussionen sind darauf ausgerichtet, Reaktionen zu provozieren, nicht Verständnis zu fördern.
Was sichtbar wird, ist nicht das Relevante, sondern das, was durch Algorithmen verstärkt wird: Zuspitzung, Empörung, Polarisierung. Der öffentliche Diskurs ist zunehmend darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu binden, nicht Orientierung zu geben.
In den vergangenen Monaten ist mir noch deutlicher geworden, wie stark diese Dynamiken wirken. Viele Meinungen, die heute mit großer Überzeugung vertreten werden, sind weniger Ergebnis einer reflektierten Auseinandersetzung, sondern vielmehr ein Produkt algorithmisch gesteuerter Informationsfilter.
Wer bestimmten Inhalten regelmäßig ausgesetzt ist, wird in seinen Ansichten bestärkt, unabhängig von deren Substanz. Andere Meinungen werden nicht selten reflexhaft abgewertet. Das erschwert nicht nur Diskussion, sondern auch das Denken selbst.
Ich sehe keinen Mehrwert darin, mich in diese Art von öffentlicher Auseinandersetzung einzubringen oder mich darüber zu ärgern.
In diesem Zusammenhang habe ich auch meine Haltung zum Begriff Apathie überdacht und für mich positiv neu definiert. Nicht im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern als bewusste Entscheidung, bestimmten Themen keine emotionale Energie zu widmen.
Apathie, verstanden als ruhige Abgrenzung, kann im gegenwärtigen Informationsumfeld eine Form geistiger Unabhängigkeit sein. Sie schafft Distanz zu dem, was künstlich relevant gemacht wird, und erhält den Fokus auf das, was tatsächlich wichtig ist.
Gerade in einem Jahr, das wirtschaftlich und gesellschaftlich mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut von Spannungen, Krisenmeldungen und Unsicherheit geprägt sein wird, halte ich diesen inneren Abstand für notwendig. Die Zahl der realen Herausforderungen wird nicht kleiner. Umso wichtiger ist es, mit klarem Kopf, innerer Ruhe und einer gewissen Entschiedenheit zu handeln.
Ich werde meinen Fokus weiterhin auf die Bereiche legen, die mir wichtig sind: meine Familie, meine Freunde, meine Firma, meine Kunden und meine Gesundheit.
Die Mechanismen, nach denen unsere digitale Öffentlichkeit funktioniert, sind nicht harmlos. Sie formen Wahrnehmung, steuern Aufmerksamkeit und machen aus komplexen Themen einfache Konflikte.
Algorithmen werden auch im Jahr 2026 wieder Millionen Menschen geistig steuern. Menschen, die unter anderen Umständen vernünftig und differenziert denken würden.
Sie verwandeln normale Nutzer in Meinungsakteure, in gewisser Weise in ideologische Stellvertreter fremder Interessen.
Ich habe mir vorgenommen, nicht Teil davon zu sein.

Hinterlasse gerne einen Kommentar