Investieren bedeutet immer auch, mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten.
Wer langfristig denkt, verbessert die eigenen Erfolgschancen erheblich, ganz ohne Garantie, aber mit einer deutlich besseren Ausgangslage als im kurzfristigen Bereich. Denn je kürzer der Anlagehorizont, desto höher die Volatilität.
Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten an den Aktienmärkten ist allerdings nicht konstant. Sie verändert sich über die Zeit – und ist stark davon abhängig, über welchen Zeitraum man spricht.
Ein Blick auf rund 100 Jahre S&P 500-Daten zeigt folgendes Bild:

- In 94% aller Jahre gab es mindestens eine Korrektur von 5%.
- In rund 2 von 3 Jahren kam es zu einem Rückgang von mindestens 10%.
- In jedem vierten Jahr fiel der Markt sogar um 20% oder mehr.
Die Zahlen beziehen sich auf Rückgänge vom jeweiligen Jahreshoch zum Tiefpunkt innerhalb desselben Kalenderjahres.
Diese Zahlen verzerren das aktuelle Bild allerdings, denn:
Betrachtet man nur das frühe 20. Jahrhundert (1928–1950), fällt auf, wie extrem diese Phase war:

- Jedes einzelne Jahr hatte eine Korrektur von 10% oder mehr.
- In der Hälfte aller Jahre kam es zu einem Bärenmarkt (Rückgang > 20%).
Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass dieser Zeitraum sowohl die Weltwirtschaftskrise als auch den Zweiten Weltkrieg umfasst.
Jetzt schauen Sie sich mal die 75 Jahre nach 1950 an:

Auch hier gab es Rückschläge, teils deutliche, aber insgesamt viel stabilere Verläufe.
Diese jüngeren Daten dürften für heutige Anleger deutlich relevanter sein.
Trotzdem sollte man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Auch die letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass massive Verluste jederzeit möglich sind:
Das Platzen der Dotcom-Blase, die Finanzkrise 2008, Corona 2020, die Korrektur 2022, sowie die Marktverwerfungen rund um den sogenannten Liberation Day.
Allein in den letzten 25 Jahren gab es mehrere Rückgänge von 30–50%.
Langfristige Durchschnittswerte helfen, um Erwartungen zu justieren.
Sie erinnern daran, dass Verluste kein Ausnahmefall, sondern ein regelmäßiger Bestandteil des Investierens sind.
Gleichzeitig gilt: Risiko genau wie Rendite tritt nicht gleichmäßig auf.
Es gibt Jahre mit extremen Schwankungen und andere mit vergleichsweise ruhigem Verlauf.
Wer investiert, wird Verluste erleben. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann, und wie darauf reagiert wird.
Langfristiger Vermögensaufbau ist nur möglich, wenn man diese Tatsache akzeptiert und im eigenen Anlageverhalten berücksichtigt.

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