„Risiko entsteht dadurch, dass man nicht weiß, was man tut.“ – Warren Buffett
Im Finanzbereich fällt das Wort Risiko beinahe täglich. Man spricht von Risikomessung, Risikokontrolle, Risikotoleranz, risikoadjustierten Renditen. Ganze Abteilungen an der Wall Street beschäftigen sich ausschließlich mit Risikomanagement.
Über die Jahre haben clevere Köpfe dort unzählige Methoden entwickelt, um Risiko zu quantifizieren: Standardabweichung, Value at Risk (VaR), Sharpe Ratio, Information Ratio, Tracking Error, Monte-Carlo-Simulationen – die Liste ist endlos.
Doch so beeindruckend diese Modelle klingen, für Privatanleger bringen sie nur wenig. Denn das größte Risiko ist nicht das, was sich mathematisch berechnen lässt, sondern das Unbekannte.
In der Investmentwelt spricht man von den known-knowns (bekannt und einschätzbar), den known-unknowns (bekannt, aber nicht einschätzbar) und den unknown-unknowns (gänzlich unbekannt). Egal ob wir ein Doktortitel der Finanztheorie tragen oder einfach nur fürs Alter sparen, keiner von uns kann die Zukunft vorhersagen. Dies gilt sicher auch für die Finanzmärkte.
Darum ist es für dich als Anleger viel wichtiger, qualitative Risikofaktoren zu betrachten, statt dich von komplizierten Formeln blenden zu lassen. Eine einfachte Wahrheit beim Investieren lautet: höheres Risiko geht mit höherer Rendite einher. Du kannst keine höhere Rendite auf deine Investition erzielen, ohne gleichzeitig auch ein höheres Risiko einzugehen. Jede Anlage birgt ein Risiko. Es zeigt sich in unterschiedlichen Arten:
- das Risiko eines permanenten Kapitalverlusts,
- das Abwärtsrisiko (mehr zu verlieren, als man verkraften kann),
- das Aufwärtsrisiko (Gewinne zu verpassen),
- das Risiko eines Kaufkraftverlusts durch Inflation,
- und das wohl wichtigste: das Risiko, seine persönlichen Ziele nicht zu erreichen.
Gerade letzteres ist entscheidend – denn es betrifft dein Leben direkter als jede kurzfristige Marktschwankung.
Um deine persönliche Risikotoleranz zu bestimmen, musst du zwei Dinge unterscheiden:
- Deine Fähigkeit, Risiken einzugehen – sie hängt ab von Alter, Vermögen, Einkommen, zukünftiger Verdienstkraft und deinem Anlagehorizont. Ein junger Mensch hat meist eine hohe Risikofähigkeit, weil er Zeit hat, Verluste wieder aufzuholen. Je näher du jedoch der Rente kommst, desto geringer wird diese Fähigkeit.
- Deine Bereitschaft, Risiken einzugehen – das ist eine Frage deiner Persönlichkeit. Vielleicht könntest du rein rechnerisch aggressiver investieren, fühlst dich damit aber unwohl. Und am Ende zählt, dass du nachts ruhig schlafen kannst.
Ein Hinweis: viele meinen, Bargeld auf dem Konto sei risikolos. Doch auch das ist trügerisch. Denn die Inflation nagt unaufhaltsam an deiner Kaufkraft und das kann langfristig genauso gefährlich sein wie ein Kurseinbruch.
Es ist völlig in Ordnung zuzugeben, dass man nicht weiß, was passieren wird. Niemand weiß es. Genau das macht Investieren so schwierig: wir hätten gerne alle Antworten, doch die Märkte bleiben unberechenbar. Wer das akzeptiert, macht einen wichtigen Schritt, um die eigenen Emotionen besser zu kontrollieren und Risiken zu verringern.
Der erste Schritt dabei: die eigene Risikotoleranz klar zu bestimmen.

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