Thesaurierend oder ausschüttend – welche ETF-Variante passt zu wem?

Wer in ETFs investiert, wird vor die Entscheidung gestellt, ob ein ausschüttender oder ein thesaurierender Fonds sinnvoller ist. Ausschüttende ETFs zahlen Erträge – Dividenden oder Zinsen – regelmäßig aus. Bei thesaurierenden ETFs hingegen werden diese Erträge automatisch wieder im Fonds angelegt.

Für viele Anleger stellt sich die Frage, welche Variante besser zu ihrer Strategie passt – und ob es steuerlich oder renditemäßig einen Unterschied macht.

Ein Rechenbeispiel hilft, das zu verstehen:

Bei einer Investition von 10.000 Euro in einen ETF, der jährlich 3 Prozent Dividenden ausschüttet und zusätzlich 4 Prozent Kurswachstum generiert, ergibt sich nach 20 Jahren ein unterschiedliches Bild.

Der thesaurierende ETF, der Dividenden automatisch reinvestiert, wächst auf rund 38.700 Euro an (7% p.a.). Beim ausschüttenden ETF hingegen wird jedes Jahr die Dividende ausgezahlt und mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer belastet. Ohne Wiederanlage der Erträge wächst das Kapital in diesem Fall auf etwa 21.900 Euro (4% p.a.). Zusätzlich erhält der Anleger über die Jahre rund 6.700 Euro Netto-Dividenden.

Wer diese Dividenden ausgibt, hat am Ende insgesamt weniger Vermögen aufgebaut:

Theasurierend: 38.700 Euro

Ausschüttend: 28.600 Euro

Wer sie hingegen konsequent reinvestiert, erreicht nahezu das gleiche Ergebnis wie mit einem thesaurierenden ETF (steuerliche Unterschiede werden hier nicht berücksichtigt).

Ein Hinweis zum Kursverlauf eines ausschüttenden ETFs

Wenn ein ETF ausschüttet, sinkt sein Kurs am sogenannten Ex-Dividenden-Tag rechnerisch um genau den Betrag der Ausschüttung. Vergleicht man im Zeitablauf die Kursverläufe des theaurierenden ETF mit dem ausschüttenden EFT, könnte man meinen, dass ersterer die klar bessere Performance erzielt hat. Das stimmt aber nicht, wie wir im Beispiel oben gezeigt haben. Werden die Dividenen nämlich sofort wieder angelegt, so erreichen beide ETFs nahezu dieselben Renditen.

In beiden Varianten ist die Gesamtperformance langfristig vergleichbar – entscheidend ist, wie diszipliniert der Anleger mit den Ausschüttungen umgeht.

Steuerlich gibt es Unterschiede

Bei ausschüttenden ETFs wird auf die Auszahlung direkt die Abgeltungsteuer fällig. Thesaurierende ETFs unterliegen hingegen der sogenannten Vorabpauschale – einer fiktiven Mindestbesteuerung, die auf den Jahresanfangswert des Fonds berechnet wird. In Niedrigzinsphasen fiel diese Pauschale oft niedrig oder gar nicht an, bei höheren Zinsen kann sie spürbarer werden.

Für deutsche Expats gelten diese steuerlichen Regelungen nicht. Hier kommt es auf die Vorschriften des Wohnsitzlandes an. Expats in den VAE müssen bspw. keine Steuern auf Kursgewinne, Zinsen und Dividenen zahlen (ggfs. aber Quellensteuer).

Thesaurierend oder ausschüttend?

Für Anleger, die auf laufende Erträge angewiesen sind – etwa zur Ergänzung des Einkommens im Ruhestand – können ausschüttende ETFs die bessere Wahl sein. Sie ermöglichen planbare Liquidität, ohne Anteile verkaufen zu müssen.

Für langfristig orientierte Anleger, die Vermögen aufbauen und vom Zinseszinseffekt profitieren wollen, sind thesaurierende ETFs in der Regel effizienter.

Welche Variante letztlich sinnvoller ist, hängt also von der persönlichen Lebenssituation, dem Anlagehorizont und dem Umgang mit Erträgen ab.


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