Der Irankrieg und seine Auswirkungen auf die Finanzmärkte bestimmen aktuell die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse.
Niemand kann sicher wissen, wie ein Krieg die Märkte kurzfristig beeinflusst. Aber ziemlich sicher ist, wie er Sie als Anleger beeinflusst.
Sie werden jetzt mit Botschaften bombardiert: „Schützen Sie Ihr Geld vor Krieg und Inflation“ oder „Profitieren Sie davon“. Plötzlich gibt es wieder „Krisen-Fonds“, „Sicherheits-Assets“ und „geheime Signale“. Natürlich immer gegen eine Gebühr.
Und je länger die Unsicherheit dauert, desto aggressiver wird dieses Marketing. Das Gefährliche ist nicht nur die schlechte Nachricht, sondern die schlechte Idee, die man Ihnen im Schlepptau verkauft.
Viele der offensichtlichen Gewinner sind nämlich bereits gelaufen und teuer bewertet. Dazu kommt: Selbst Regierungen werden von Wendungen überrascht. Geopolitische Vorhersagen sind kein belastbarer Investmentplan.
Genau deshalb brauchen Sie jetzt keinen Aktionismus, sondern einen klaren Fahrplan.
Im folgenden stelle ich Ihnen fünf Leitlinien vor, die Ihnen durch diese Zeit der Unsicherheit helfen und Sie vor kostspieligen Aktionen bewahren sollen.
Erstens: Nochmal: Rechnen Sie damit, dass man Ihnen jetzt alles Mögliche verkaufen will. „Sicher durch den Krieg“, „Inflationsschutz“, „Rohstoff-Play“, „Defense-ETF“. Das Problem ist, dass diese Angebote fast immer mit Angst arbeiten. Und Angst ist der teuerste Anlageberater der Welt. Also Finger weg.
Zweitens: Die offensichtlichen Trades sind meistens schon eingepreist. Rüstung, Energie, Gold, da ist längst viel Geld hineingeflossen. Und genau dann ist das Chance-Risiko-Verhältnis oft schlechter, weil Sie nicht mehr die Idee kaufen, sondern den Hype.
Das ist wie den Regenschirm erst zu kaufen, wenn Sie schon klatschnass sind: Sie bekommen ihn noch aber Sie zahlen teuer dafür.
Drittens: Reagieren Sie nicht auf geopolitische Prognosen. Wenn selbst Profis und Staaten von Wendungen überrascht werden, ist „Ich positioniere mich jetzt mal clever“ meistens nur ein schönes Wort für: Ich rate.
Und raten plus Gebühren ist eine schlechte Kombination.
Viertens: Was Sie stattdessen brauchen, ist ein einfacher Fahrplan, der ohne Schlagzeilen funktioniert. Stellen Sie sich drei Fragen:
- Wann brauche ich mein Geld? (Zeitplan schlägt Nachrichten).
Dazu hatte ich Ihnen in meinem letzten Newsletter eine praktische Faustregel an die Hand gegeben, die Ihnen beschrieb, wie Geld investiert werden sollte: brauchen Sie das Geld in 3 Jahren oder vorher, dann alles in den Geldmarkt. Über drei Jahre: Anzahl der Jahre bis Sie das Geld brauchen × 10 = Aktienanteil (%). - Wie viel Risiko kann ich wirklich aushalten? (nicht theoretisch, sondern emotional)
Wenn Sie der Faustregel gefolgt sind, dann können Sie beruhigt abwarten, bis sich die Wogen geglättet haben, denn Sie haben ausreichend Liquidität. - Welche Regeln befolge ich in Stressphasen? (denn genau da passieren die Fehler)
Schreiben Sie sich Ihre Regeln während ruhiger Marktphasen auf. Geben Sie sich selbst das Versprechen, sich daran zu halten, komme, was wolle. In Stressphasen sind diese Regeln ein starker Begleiter, der Ihnen die Richtung zeigt und Sie vor kostspieligen Fehlern bewahrt.
Fünftens: Sie werden das Gefühl haben, jetzt unbedingt etwas tun zu müssen. Lassen Sie das, tun Sie einfach gar nichts. Und schauen Sie nicht jede Stunde in Ihr Depot.
In Krisenzeiten ist die beste Rendite oft die, keine teuren Fehler zu machen.
Die Situation an den Finanzmärkten kann sich aktuell durch eine einzige Schlagzeile oder einen Tweet rasant ändern, und zwar in jede Richtung.
Das oberste Gebot ist, Ruhe zu bewahren auch wenn das schwerfällt.

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